Antworten anderer Gruppierungen

Wir haben auch andere Strukturen gefragt, ob sie ihre Antwort auf unsere Fragen präsentieren wollen. Auf dieser Seite sammeln wir diese Antworten unkommentiert:

JUSO Stadt Zürich

Wir leben in einer Zeit voller Krisen – Corona-Krise, Care-Krise, Klimakrise, oder Migrationskrise. Auf den ersten Blick scheinen die Ursachen dieser Krisen völlig unterschiedlich zu sein: ein Virus, fehlende Anerkennung für Care-Arbeit, die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre oder Kriege. Wenn man jedoch genauer hinschaut, erkennt man durchaus gemeinsame Ursachen in den Krisen unserer Zeit. . Diese Gemeinsamkeiten möchten wir in diesem Text thematisieren. Am Beispiel der Care- und Klimakrise soll dieser Text aufzeigen, wo die tatsächlichen Probleme liegen und was ihre Ursachen sind. 

Die wohl drängendste Krise unserer Zeit ist die Klimakrise. Verursacht wird sie hauptsächlich durch die steigenden CO2- Emissionen, welche mittlerweile viel höher sind, als das, was die Erde aufnehmen kann. Aktuell leben wir weltweit in Bezug auf unsere  Emissionen so, als hätten wir 1.75 Erden zur Verfügung. Würde die ganze Welt so viele Ressourcen verbrauchen wie die Schweiz, würden wir  wir 2.85 Welten benötigen, für  Katar wären es sogar 8.84. Ähnliches soll  der Earth Overshoot Day aufzeigen: Das  ist der Tag, an dem die natürlichen Ressourcen für das Jahr  aufgebraucht sind. Auf die ganze Welt bezogen ist der Overshoot Day am 29. Juli.  Wäre aber der Ressourcenverbrauch überall so wie in der Schweiz, wäre dieser Tag bereits  am 9. Mai, in Katar am 11. Februar, in Indonesien hingegen erst am 18. Dezember. Dies macht  eine der grossen Problematiken offensichtlich: Die Länder des globalen Nordens tragen massiv stärker zur Klimakrise bei. Es sind aber die Länder des globalen Südens, die massiv darunter leiden. Die Länder des globalen Nordens – so auch die Schweiz – stehen damit in einer Verantwortung zu handeln. Aber reicht es, wenn wir weniger fliegen und autofahren, weniger Fleisch essen und weniger Abfall produzieren? Nein! Denn das Problem liegt tiefer: Der Kapitalismus ist angewiesen auf ständiges Wachstum. Und dieses Wachstum wiederum ist angewiesen auf Ausbeutung. Der Kapitalismus beutet aus, und zwar die Natur (Klimakrise), die Frauen* (Care-Krise) oder den globale Süden (Migrationskrise). 

Die Natur wird also ausgebeutet, um Wachstum zu ermöglichen.  Doch sie  kann nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt ausgebeutet werden – denn mit endlichen Ressourcen kann kein unendliches Wachstum erreicht werden . Der Kapitalismus aber will, beziehungsweise braucht genau dieses unendliche Wachstum. Um die Klimakrise überwinden zu können, müssen wir den Kapitalismus überwinden!

Die andere Krise, die wir beleuchten möchten, ist die Care-Krise. Wir haben gesehen: Im Kapitalismus braucht es Wachstum. Dieses Wachstum äussert sich im Gewinn – denn der Gewinn ist das, was nur entstehen kann, weil nicht alles bezahlt wird, weil ausgebeutet. Ein Weg zu steigendem Gewinn  ist, immer effizienter zu werden. Denn ein effizientes Unternehmen muss weniger des erwirtschafteten Geldes für Löhne ausgeben. Damit bleibt schlussendlich mehr übrig; der Gewinn ist grösser. In vielen Sektoren ist die Arbeit in den letzten Jahrzehnten viel effizienter geworden: So kann man zum Beispiel mit Maschinen sehr viel schneller Kleider produzieren oder landwirtschaftliche Produkte ernten. Im Gegensatz dazu ist es allerdings unmöglich, schneller zu pflegen oder schneller Kinder zu erziehen. Aus diesem Grund sind die Kosten für bezahlte Care-Arbeit im Vergleich zu anderen Bereichen extrem gestiegen. Gleichzeitig aber wird immer noch unglaublich viel Care-Arbeit unbezahlt verrichtet – und zwar hauptsächlich von Frauen*. Die Menge dieser Arbeit ist extrem gross: In der Schweiz wird fast gleich viel unbezahlte Care-Arbeit verrichtet wie  wie die bezahlte Arbeit insgesamt! Es wäre unmöglich, all diese Arbeit zu bezahlen – zumindest im Kapitalismus. Denn genau wie der Kapitalismus auf der Ausbeutung der Natur basiert, könnte er auch ohne die Ausbeutung der Frau* nicht funktionieren. Deshalb ist es unumgänglich, den Kapitalismus zu überwinden, wenn wir das Patriarchat und die Ausbeutung der Frau* überwinden wollen. 

Zusammengefasst: Der Kapitalismus baut auf Ausbeutung verschiedener auf; unter anderem Ausbeutung der Frau* und der Natur. Nur dies ermöglicht ihm, zu bestehen und zu wachsen. Solange wir also in einem  kapitalistisches System leben, wird es nicht möglich sein, Krisen zu überwinden – die Klima- und die Care-Kris, sowie auch alle anderen Krisen. Deswegen ist es auch unglaublich wichtig, Kämpfe gegen diese Krisen zusammen zu denken. Sowohl die Natur als auch Frauen* sind von ähnlichen Unterdrückungsmechanismen betroffen. Die Überwindung des Kapitalismus ist für beide Bewegungen essentiell – wenn auch nicht die Lösung aller Probleme. Feminismus und Kampf gegen die Klimakrise haben nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern auch viele Forderungen, die sie teilen: zum Beispiel eine radikale Arbeitszeitverkürzung, die eine Entschleunigung ermöglichen würde, ein Wegkommen von der Mentalität, dass alles immer schneller sein muss. Damit werden unter anderem auch der blinde Konsum und die Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit hinterfragt.

Doch es soll noch ein weiterer Grund beleuchtet werden, weshalb diese Kämpfe zusammengedacht werden müssen: Es gibt Menschen, die von mehreren Unterdrückungsformen betroffen sind. Frauen* im globalen Süden sind einerseits als Frauen benachteiligt und andererseits stärker von Klimakatastrophen betroffen. Während Männer* zum Beispiel oft in Zentren in den grossen Städten arbeiten und darum gewarnt werden können – vor Tsunamis beispielsweise –, bleiben Frauen* eher zu Hause, müssen sich häufig um andere Familienmitglieder kümmern und können oft nicht schwimmen. Deswegen ist die Todesrate bei Überschwemmungen oder Tsunamis bei Frauen* viel höher als bei Männern. Dies ist nur ein Beispiel von unzählig vielen, die zeigen, dass die Kämpfe zusammenhängen.

Lasst uns also diese Kämpfe zusammen denken! Lasst uns den Kapitalismus von allen Seiten angreifen! Venceremos!

Frauen*streik-Kollektiv Winterthur

Die Wirtschaft wächst auf Kosten von …

Es hat in den letzten Jahrzehnten eine massive Machtverschiebung gegeben, weil die Wirtschaft immer globaler wird und einige Unternehmen oder sogar einzelne Menschen sehr viel stärker davon profitieren als andere. Sie missbrauchen die Globalisierung zu ihrem eigenen Vorteil und auf Kosten anderer. Die Wirtschaft wächst auf Kosten der Arbeiter*innen und der Natur, durch schlechte Arbeitsbedingungen und unfaire Entlöhnung, sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Es stimmt schon lange nicht mehr, dass es uns allen gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht. Die Politik verfügt nicht mehr über die Handhabe die Wirtschaft zu regulieren, weil es keine internationalen Standards für die globale Wirtschaft gibt. Viele Unternehmen schütten hohe Dividenden an ihre Aktionäre aus und bezahlen kaum Steuern. Steuergeschenke und Rettungspakete für Banken und Grossunternehmen höhlen unseren Staat aus. Steuerzahlende, sprich Arbeitnehmende werden also doppelt ausgebeutet. Das kapitalistische Wirtschaftssystem, das auf unendlichem Wirtschaftswachstum beruht bei endlichen Ressourcen, ist direkt für die Klimakrise verantwortlich.

Wir fordern mehr Partizipation, damit wir gemeinsam ein System schaffen können, das allen Menschen dient!

Warum bekommen die einen Milliarden und die anderen nur Applaus?

Im Zeitalter des Kapitalismus ist die bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit der Wirtschaftssektor der Frauen. Sogenannte Frauenberufe sind in der Schweiz deutlich unterbezahlt, wenn sie mit gleichwertigen «Männerberufen» verglichen werden. In der jetzigen Krise wurde das Arbeitsschutzgesetz im Gesundheitssektor ausgehebelt bei einer 60-Stundenwoche und ohne Gefahrenzulagen für die Betreuung von Covid-Patient*innen zu bekommen. Weil immer noch die sexistische Annahme gilt, dass Frauen die Care-Arbeit aus einer inneren Motivation machen und nicht wegen dem Lohn.

Der Spar- und Rationalisierungsdruck, sowie die Gewinnorientierung durch die Privatisierung von öffentlichen Institutionen wie Krippen, Spitälern oder Heimen hat zusätzlich eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zur Folge. Care-Arbeit kann nur beschränkt effizienter gestaltet werden, denn es braucht Zeit die individuellen Bedürfnisse der Menschen wahrzunehmen und nötige Massnahmen zu treffen. Das bedeutet also, dass bei Care-Arbeit Produktivitätssteigerungen nur bedingt möglich sind, im Gegensatz zu den meisten anderen wirtschaftlichen Sektoren. Der Versuch, mehr Menschen mit dem gleichen Aufwand an Arbeitskraft zu betreuen, führt zwangsläufig zu Qualitätseinbussen. Die Gewinnorientierung und der Spar- und Rationalisierungsdruck in Pflegeinstitutionen dient nur den Aktionären, die den Gewinn einstreichen, aber beutet die Arbeitnehmenden aus und schadet nicht zuletzt den zu betreuenden Menschen.

Wir fordern faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen in der Care-Arbeit und eine finanzielle Anerkennung der unbezahlten Betreuungsarbeit! Zudem fordern wir die Aufhebung der Privatisierung im Gesundheitsbereich!

Was verbindet die Klimakrise und Corona-Krise?

Wie bei der Klimakrise leiden bei der Corona-Krise auch als erstes die am meisten prekarisierten Menschen unter deren Folgen. Prekarisierte Menschen sind vor allem Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen im globalen Süden. In der Schweiz arbeiten Frauen überproportional im Teilzeitbereich und auf Stundenlohn-Basis, teilweise ohne Absicherung in der Gesundheitsvorsorge und der Pensionskasse. Menschen, welche im Tieflohnsektor und im Dienstleistungsbereich arbeiten, können selten im Home-Office arbeiten und weil sie Angst haben ihre Stelle zu verlieren, nehmen sie Arbeitsbedingungen mit ungenügenden Schutzmassnahmen hin. Menschen mit Migrationshintergrund haben nicht dieselben Bildungschancen, ausländische Diplome werden nicht anerkannt und sie haben einen beschränkten oder gar keinen Zugang zum legalen Arbeitsmarkt. Der globale Süden leidet stärker unter den Folgen der Klimakrise mit ausgeprägten Dürreperioden und der Ausweitung von Wüsten, was zu Ernteausfällen, Hungersnöten und Flucht führt. Durch die jahrhundertelangen Machenschaften der westlichen Staaten im globalen Süden, werden sie heute noch ihren natürlichen Ressourcen beraubt, sodass die Staatskassen leer sind und kein funktionierendes Gesundheitssystem vorhanden ist.

Wir fordern einen Systemwechsel – System change not climate change!

Wieso hat unsere Solidarität Grenzen?

Durch das kapitalistische Grunddenken haben wir von klein auf gelernt, zuerst auf unsere eigene Sicherheit und unser eigenes Wohl zu achten. Wir beruhigen unser Gewissen damit, dass wir das Leid von Menschen auf ihr individuelles Versagen zurückführen und sind uns unseren eigenen Privilegien nicht bewusst.

Privilegien sind zum Beispiel einen deutsch klingenden Namen zu haben, mindestens in den Mittelstand geboren zu sein und darum hohe Bildungschancen zu haben, einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu haben oder weiss zu sein.

Das heisst aber nicht, dass wir aufgrund dieser und vieler anderen Privilegien nicht auch schlechte Erfahrungen im Leben machen, aber wir haben Vorteile gegenüber anderen, die diese Privilegien nicht geniessen. Darum müssen wir uns unseren eigenen Privilegien bewusst werden und uns mit Menschen solidarisieren, die nicht die gleichen Grundvoraussetzungen haben wie wir.

Wir rufen auf zur Solidarität, denn das herrschende System funktioniert lediglich aufgrund der Ausbeutung von uns allen!  


Junge Grüne Zürich

Wieso bekommen die Einen Milliarden und die Andern nur Applaus?

Geld und Wirtschaftswachstum wird über das Wohlergehen und die Grundbedürfnisse der Gesellschaft gestellt. Die Carearbeit, welche hauptsächlich von Frauen geprägt ist, ist schlecht bezahlt und gilt als selbstverständlich

Was verbindet die Corona- und die Klimakrise?

Beides sind unsichtbare Bedrohungen. Es wird zu wenig auf den wissenschaftlichen Konsens geachtet und zu sehr auf die kurzfristig wirtschaftlichen Interessen gehört.

Wieso hat unsere Solidarität Grenzen?

Weil Egoismus wirtschaftlich belohnt wird.

In der Klimakrise Symptome zu bekämpfen reicht nicht es braucht…

Einen Systemwandel hin zu einer bedarfsorientierte Wirtschaft

Wieso sitzen wir nicht alle im selben Boot?

Privilegierte Gruppen haben die Mittel um sich vor Krisen zu schützen, für welche sie die Ursache sind.

Wer dient der Wirtschaft? / Wem dient die Wirtschaft?

Sie sollte allen Menschen gleich dienen.

Die Wirtschaft wächst auf Kosten von…

Unterdrückung, Ausbeutung von Ressourcen und dem globalen Süden, Gleichstellung der Geschlechter.

Warum erhöht die Klimakrise die Ungerechtigkeit?

Diejenigen die die Klimakrise verursachen, leiden am wenigsten darunter, sie profitieren sogar von ihr.

Was hat Rassismus mit der Klimakrise zu tun?

Wenn man sieht wie betroffene Menschen im globalen Süden und verurteilt diese gleichzeitig mit alten kolonialisierten Gedankengut, dass diese Menschen selber schuld sind und zu wenig zivilisiert.